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Depression

Was sind Depressionen?
Depressionen sind Gemütskrankheiten, bei welchen es zu einer traurigen Verstimmung verbunden mit Angstzuständen, innerer Unruhe sowie Denk- und Schlafstörungen kommt. Das Denken ist verlangsamt und dreht sich meistens um ein Thema, nämlich darum wie schlecht es geht, wie aussichtslos die jetzige Situation und wie hoffnungslos die Zukunft ist.

Viele Patienten haben Schuldgefühle, die sich zu wahnhaften Zuständen steigern können. Man spricht auch von Grübelzwang, weil fast zwanghaft immer wieder über die gleichen negativen Gedanken nachgedacht wird. Die Schlafstörungen äussern sich in Schwierigkeiten einschlafen zu können, in einem gestörten Durchschlafverhalten mit wiederholtem Aufwachen und in einem frühen Erwachen.

Der Schlaf wird daher als nicht ausreichend und sehr oberflächlich erlebt und bringt am Morgen keine Erfrischung. Der Morgen ist oft die schlimmste Zeit für depressive Patienten, da sie sich am Morgen meist besonders schlecht fühlen. Gegen Nachmittag kann sich der Zustand bessern und am Abend relativ erträglich sein. Dieses sich besonders elend fühlen am Morgen nach dem Erwachen nennt man das Morgentief.
 
Was sind keine Depressionen?
Nicht jede traurige Stimmung ist eine Depression. Die Depressionen unterscheiden sich von der Traurigkeit dadurch, dass Depressive unfähig sind, sich über etwas zu freuen und auch grösste Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen. Oft können sie sich für überhaupt nichts mehr entscheiden und wissen schon am Morgen nicht, ob sie aufstehen oder liegenbleiben sollen.

Diesen Unterschied zwischen Trauer und Depression kann man erkennen, wenn man als relativ wenig vom Trauerfall Betroffener an einer Beerdigung teilnimmt. Mitunter erlebt man dann, dass die nächsten Angehörigen am Grabe fast zusammenbrechen, aber wenn dann eine Stunde später beim Totenmahle über das Leben des Verstorbenen gesprochen wird und vielleicht jemand auch eine Anekdote aus dem Leben des Toten erzählt, dann können die Angehörigen lächeln, mitunter sogar lachen.

Dies wäre schwer Depressiven nicht möglich. Sie wären nicht in der Lage, Freude oder Vergnügen zu empfinden. Während sich Depressive meist nicht entscheiden können, erleben wir bei Trauernden, dass sie sehr wohl kurze Zeit nach dem Trauerfall, wenn es um die Erbschaft geht, erstaunlich rasche und klare Entscheidungen treffen können. Einen trauernden Menschen kann man auch ablenken, einen schwer depressiven Menschen nicht.
 
Wer ist betroffen? Depression - eine häufige Erkrankung
Depressiven sollte bewusst gemacht werden, dass Depressionen zu den häufigsten Krankheiten überhaupt zählen. Nach den Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation leiden jeweils an einem Tag 3-5% der Weltbevölkerung an Depressionen. Das sind täglich 120-200 Millionen Menschen.

Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, wird auf ca. 20% geschätzt, d.h. jeder Fünfte von uns macht wahrscheinlich in seinem Leben irgendwann eine schwere Depression durch. Leichte, vorübergehende depressive Verstimmungen bleiben wohl keinem Menschen erspart.
 
Wie lassen sich die Symptome erkennen? 
Jeder fühlt sich hin und wieder einmal „niedergeschlagen“. Bei den meisten ist diese Traurigkeit eine Reaktion auf ein einschneidendes Ereignis, und nach ein paar Tagen oder Wochen geht es ihnen wieder besser. Dabei handelt es sich um eine natürliche, kurzzeitige Reaktion auf stressige Zeiten im Leben.
Einigen Menschen gelingt es jedoch nicht, sich von diesem Tief zu erholen und es fällt ihnen schwer, ihr Leben in der gewohnten Art und Weise weiterzuführen. Sie sind über lange Zeiträume traurig und fühlen sich hoffnungslos, haben unerklärliche Schmerzen oder körperliche Leiden, schlafen schlecht, haben Angstzustände oder sind desinteressiert und energielos.
Depressionen äußern sich auf verschiedene Art und Weise – d.h. nicht jeder hat dieselben Symptome.
 
Hauptsymptome
  • Niedergeschlagene/traurige Stimmung, reizbar oder gleichgültig
  • Kein Interesse und keine Freude am täglichen Leben
  • Energielosigkeit
 Körperliche Symptome
  • Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit
  • Schlafstörungen oder übermäßiges Schlafbedürfnis
  • Appetit- und Gewichtsveränderungen
  • Verminderter Sexualtrieb
  • Unerklärliche Schmerzen und Leiden, z.B. Kopfweh, Rückenschmerzen
  • Bei Frauen, Änderungen des Menstruationszyklus
 Sonstige Symptome
  • Schlechte Konzentration oder verminderte Aufmerksamkeit
  • Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung
  • Weinerlichkeit
  • Ruhelosigkeit, Unruhe oder Angst
  • Geringes Selbstbewusstsein und geringe Selbstachtung
  • Schuldgefühle
  • Unfähigkeit zum Umgang mit dem Alltag (im Gegensatz zu vorher)
  • Vermeidung anderer Menschen
  • Düsterer Blick auf die Zukunft
  • Morbide Gedanken, selbstzerstörerische Gedanken
 
Wenn die Symptome mehr als zwei Wochen andauern, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu suchen und sich an einen Arzt zu wenden. Das gilt vor allem dann, wenn man Gedanken an Selbstmord oder Selbstverstümmelung mit sich trägt. Depression ist eine Erkrankung, die behandelbar ist und geheilt werden kann, insbesondere wenn man sich möglichst früh an einen Arzt wendet.
 
Wie wird eine Depression erkannt?
Um hier auf die richtige Spur zu kommen, empfiehlt es sich, folgende Fragen zu überlegen:
- Besteht noch die Möglichkeit, sich zu freuen?
- Fällt es so leicht wie früher, Entscheidungen zu treffen?
- Hat sich die Stimmung verschlechtert bevor diese körperlichen Beschwerden aufgetreten sind, oder verschlechterte sich die Stimmung nach Auftreten der Beschwerden?
- Bestehen Angstzustände?
- Bestehen Einschlaf-, Durchschlaf- oder Aufwachstörungen?
- Ist das Befinden am Morgen schlechter als am Abend?
- Kommen Depressionen, Selbstmorde oder Alkoholismus in der Familie unter Blutsverwandten vor?
- Bestanden früher schon einmal Perioden mit ähnlichen Zuständen oder Perioden mit depressiver Verstimmung oder auch besonderer Aktivität, welche mit einem Glücksgefühl einhergingen?
  
Auslöser für eine Depression
Es ist bekannt, dass chemische Veränderungen im Gehirn mit Symptome der Depression einhergehen.
Depressionen hängen wahrscheinlich mit der Veränderung der Konzentration von hauptsächlich drei biochemischen Substanzen im Gehirn zusammen, die eine Reihe von Körperfunktionen kontrollieren, darunter:
  • Serotonin – Stimmung, Appetit und Einschlafen
  • Noradrenalin (auch Norepinephrin genannt) – Stimmung, Aufwachen und Aufmerksamkeit/Konzentration
  • Dopamin – Bewegung, Motivation und Erleben von Freude
Eine Änderung der Konzentration dieser biochemischen Überträgersubstanzen führt zu gesundheitlichen Problemen, wie z. B. einer Depression.
Eine weitere biochemische Substanz, die eine Rolle bei Depressionen spielen kann, ist Cortisol – das „Stresshormon“, das Körper und Geist beim Umgang mit stressigen Situationen hilft. Bei einigen Personen, die an Depressionen leiden, wurden hohe Konzentrationen von Cortisol beobachtet, obwohl der genaue Zusammenhang zwischen Cortisol und einer Depression noch nicht bekannt ist. Viele der zur Behandlung von Depression eingesetzten Medikamente entfalten ihre Wirkung, indem sie dabei helfen, die Konzentrationen dieser biochemischen Substanzen im Gehirn auf ein normales Niveau zu bringen.
 
Risikofaktoren für eine Depression
Von Depressionen kann jeder betroffen sein – bei einigen treten sie ohne ersichtlichen Grund oder Vorwarnung auf, bei anderen wiederum spielen Faktoren eine Rolle, die sie bekanntermaßen anfällig für eine Depression machen. Dazu können gehören:
 
Erbliche Faktoren
Eine Frage, die häufig in Zusammenhang mit Depressionen gestellt wird, „ist das vererblich – liegt es ‚in den Genen’?” In einigen Fällen spielen die Gene eine Rolle bei Depressionen, und mehrere Mitglieder einer Familie können betroffen sein. Allerdings gibt es hier keinen einfachen Zusammenhang, da wahrscheinlich viele Gene daran beteiligt sind. Wenn also ein Familienmitglied an einer Depression erkrankt, heisst das nicht zwangsläufig, dass dessen Verwandte ebenfalls erkranken müssen.
 
Soziale und umweltbedingte Faktoren
Normalerweise führt nicht ein einzelner Vorfall im Leben eines Menschen gleich zu einer Depression. Allerdings kann die Depression bei manchen Betroffenen durch bestimmte Erfahrungen oder Umstände ausgelöst werden.
 
Beispielsweise können einschneidende Ereignisse im Leben eine Depression auslösen, z.B.:
  • ein Trauerfall
  • eine Scheidung
  • ein seelischer Schock
  • physischer/emotionaler Missbrauch
 Es können aber auch länger anhaltende, schwierige Umstände dazu führen, wie z.B.:
  • Armut
  • finanzieller Stress
  • gesundheitliche Probleme
  • Einsamkeit
  • fehlende Intimität
  • langanhaltende Arbeitslosigkeit oder Ruhestand
Immigranten, Flüchtlinge und andere Menschen, die aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen wurden, sind ebenfalls anfälliger für eine Depression.
Ob ein Mensch tatsächlich eine Depression entwickelt, kann in hohem Maße von den Erfahrungen abhängen, die er im Laufe seines Lebens gemacht hat, und wie er mit Stresssituationen umgeht.
Schuldgefühle
Besondere Schwierigkeiten für depressive Patienten ergeben sich u.a. dadurch, dass sie meinen, persönlich von einem einmaligen Unglück betroffen zu sein und solche Schuldgefühle oder Selbstmordgedanken hätte wohl sonst niemand. Es ist daher sehr wichtig, diesen Menschen zu sagen, dass sie wirklich krank sind und dass Schuldgefühle Symptome dieser Krankheit sind und dass sie sich nicht deshalb so schlecht fühlen, weil sie irgendwann schuldig geworden sind.
 
Körperliche Beschwerden
Depressionen gehen häufig mit körperlichen Beschwerden einher, die meist recht hartnäckig sind. Dazu gehören Kopf-, Nacken- und Kreuzschmerzen, Schmerzen in den Armen und Beinen, Druckgefühle im Brustraum, das Gefühl nicht durchatmen zu können (welches oft so erlebt wird, als ob ein schwerer Stein auf der Brust läge), unklare Herzbeschwerden, Verdauungsbeschwerden (entweder in Form von Durchfällen oder Verstopfung), Übelkeit mit Beschwerden in der Magengegend und krampfartige Schmerzzustände im Unterleib.

Diese körperlichen Beschwerden können derart im Vordergrund stehen, dass die dahinter stehenden seelischen Beschwerden oft gar nicht erkannt werden. Sowohl die Patienten als auch die Angehörigen denken sehr oft, dass es sich um ein körperliches Leiden handelt. Bei den ärztlichen Untersuchungen kann dann aber in der Regel kein körperlich krankhafter Befund erhoben werden, d. h. man findet keine körperliche Ursache für diese Beschwerden. Erst ein Gespräch über den Gemütszustand kann Klärung bringen. Wir sprechen deswegen in diesen Fällen auch von maskierten oder larvierten Depressionen, weil sich die Depression hinter den körperlichen Symptomen wie hinter einer Maske oder einer Larve versteckt.

Die Situation wird oft dadurch erschwert, dass diese Patienten auch daran festhalten, körperlich krank zu sein, weil sie es als Schwäche oder Schande empfinden würden, an einer Gemütskrankheit zu leiden. Wenn man diesen Patienten sagt, dass sie eigentlich nicht körperlich sondern seelisch krank seien, kann dies zu empörten und beleidigten Reaktionen führen. Und man hört den Vorwurf, man würde den Patienten wohl für einen Hypochonder oder Hysteriker halten, was er ja tatsächlich nicht ist.
 
Behandlung einer Depression
Im Vordergrund der modernen Behandlung einer Depression steht die Therapie mit Medikamenten und die Psychotherapie. Der grösste Behandlungserfolg wird bei einer Kombination der beiden Behandlungsformen erwartet. Welche konkrete Vorgehensweise für Sie am besten ist, kann nur eine Fachperson in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen feststellen.
 
Therapie mit Medikamenten
Bei der Behandlung der Depression mit Medikamenten unterscheidet man drei Bereiche:
  • Akutbehandlung
  • weiterführende Behandlung
  • Rückfallprophylaxe
Weiterführende Behandlung
Nach den Richtlinien der WHO (Weltgesundheitsorganisation) sollten die Antidepressiva nach der Genesung von einer Depression mindestens 6 Monate weiter genommen werden, um einen langfristigen Therapieerfolg zu gewährleisten.

Rückfallprophylaxe
Die prophylaxische Behandlung wird von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlen, wenn
  • bereits mehr als eine schwere Episode einer depressiven Erkrankung aufgetreten ist.
  • oder in den letzten 5 Jahren eine oder mehrere Episoden einer depressiven Erkrankung aufgetreten sind.
Quelle: Consensus Statement WHO, Journal of Affective Disorders 17, 1989, 197-8

Verlauf der medikamentösen Akutbehandlung
Der Patient trägt wesentlich zum Erfolg der Behandlung bei, indem er seinen Arzt über alle Wirkungen und Nebenwirkungen informiert. Die Einnahme sollte nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt geändert werden.
  • Im Allgemeinen muss das Medikament während mehrerer Monate täglich genommen werden. Es ist regelmässig einzunehmen, nicht nur wenn Symptome da sind.
  • Es kann mehrere Wochen dauern, bis man eine erste Besserung spürt.
  • Da nach dem Absetzen der Medikamente die Besserung oft wieder nachlässt, kann es sein, dass der Arzt empfiehlt, die Medikamente auf längere Zeit hin weiter einzunehmen.
  • Sollte ein Medikament nicht wirken oder unangenehme Nebenwirkungen haben, lohnt es sich auf jeden Fall, ein anderes Antidepressivum auszuprobieren, das möglicherweise besser wirkt.
Antidepressiva
Neben den älteren Antidepressiva (Trizyklika) stehen heute auch moderne Antidepressiva mit gleich starker Wirkung, aber weniger Nebenwirkungen zur Verfügung. Es finden v.a. sogenannte SSRI's Anwendung (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer). Alternativ gibt es noch SSNRI's (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) sowie NaSSA's (Noradrenerges spezifisch serotonerges Antidepressivum).
 
Psychotherapie
Praktisch jede psychotherapeutische Richtung beschäftigt sich mit Depressionen und bietet ein Behandlungskonzept an. Die einzelnen Vorgehensweisen können dabei sehr unterschiedlich sein. Analysen haben gezeigt, dass kognitiv-verhaltenstherapeutische Psychotherapien anderen Therapieformen in der Wirksamkeit überlegen sind. Als wichtige Voraussetzung gilt in jeder Psychotherapie, dass man das Vertrauen zum Therapeut hat und sich wohlfühlt. Eine Psychotherapie kann bei leichten bis mittleren Formen der Depression ebenso wirksam sein wie eine medikamentöse Behandlung. Bei schwereren Formen wird sie begleitend zu Antidepressiva eingesetzt.
 
Andere Behandlungsmöglichkeiten bei einer Depression
Kognitive Verhaltenstherapie
Bei der kognitiven Verhaltenstherapie wird depressiven Patienten vermittelt, wie sie ihre negativen Gedanken erkennen und durch konstruktive, positive Gedanken ersetzen können.
 
Interpersonelle Psychotherapie (IPT)
Eine IPT hilft dabei, persönliche Probleme, die mit der Krankheit in Zusammenhang stehen können, zu verstehen und damit besser umzugehen, z.B. Probleme mit Beziehungen, Kommunikationsschwierigkeiten oder die Überwindung eines Todesfalls.
 
Beratungsgespräche und Problemlösungstechniken
Für einige Betroffene kann es hilfreich sein, in Beratungssitzungen neue Fähigkeiten und Ansatzmöglichkeiten für Problemlösung kennen zu lernen.
 
Ergänzende Therapien
Einigen Menschen können ergänzende Therapien, wie z. B. Entspannung, Yoga, sowie regelmäßiger, moderater Sport usw. helfen, die Symptome der Depression zu mindern, Stress abzubauen und ihr Energieniveau bzw. ihre Stimmung zu heben.
 
Elektrokonvulsionstherapie (EKT)
Eine EKT oder Elektrokrampftherapie ist eine sehr wirksame Behandlung und wirkt bei einigen Menschen mit starken Depressionen. Dabei werden den Patienten unter Betäubung, d.h. ohne Schmerzen, elektrische Impulse verabreicht. Normalerweise erfolgt eine EKT mehrere Male pro Woche und wird danach monatlich in stetig sinkender Anzahl fortgeführt.

 
Selbsthilfe, Unterstützung und Änderungen des Lebensstils
Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, können durch Selbsthilfe, über Netzwerke mit anderen Betroffenen und/oder durch Veränderung ihres Lebensstils positive Schritte in Richtung einer Besserung machen. Es gibt eine vielfältige Anzahl von Möglichkeiten und Angeboten, allerdings sollte man mit ein paar kleinen Zielen beginnen und darauf schrittweise aufbauen.
Mit Hilfe der richtigen Behandlung und durch vielfältige Unterstützung können Betroffene meistens vollständig geheilt werden.
Allerdings können einige Symptome der Depression bestehen bleiben oder erneut auftreten, daher muss die Behandlung und die Unterstützung langfristig sein und auch nach dem Abklingen der Symptome weitergeführt werden, um ein Wiederauftreten zu verhindern.
Bei einigen Menschen ist das Risiko höher, dass ihre Symptome erneut auftreten oder über einen längeren Zeitraum anhalten, z.B. bei Personen, in deren Familien es mehrere Erkrankte gibt oder Menschen, die gleichzeitig an einer anderen Krankheit leiden. Außerdem können die Symptome besonders dann erneut auftreten oder länger anhalten, wenn die Behandlung:
  • verzögert wird
  • inadäquat ist
  • abgelehnt/verweigert wird
  • nicht wie verordnet eingehalten wird (d.h. der Patient sich nicht an die Vorgaben hält)
Allerdings sagen acht von zehn Menschen, die an einer Depression erkrankt waren, dass sich ihre Symptome gebessert haben und sie wieder mehr Kontrolle über ihr Leben haben, seitdem sie sich in ärztliche Behandlung begeben haben.
 
Krisensituationen
Wenn man sofort Hilfe braucht, kann man sich unverzüglich an eine der nachfolgenden Stellen wenden:
  • Hausarzt
  • Ärztlicher Notfalldienst
  • Dargebotene Hand Tel. 143
  • Psychiatrisches Kriseninterventionszentrum in der Region
Depression - eine lebensgefährliche Krankheit
Ein besonders gefährliches Problem der Depression stellt die Neigung dar, sich das Leben nehmen zu wollen. Die Selbstmordneigung der Depressiven kommt aus dem Gefühl der Ausweglosigkeit, dem absoluten Pessimismus und der Hoffnungslosigkeit. Depressionen zählen zu den häufigsten Ursachen von Selbstmordhandlungen, seien es nun Selbstmorde oder Selbstmordversuche.

Es ist daher bei jedem Depressiven wichtig zu wissen, wie gross das Selbstmordrisiko ist. Man kann dies am besten dadurch abzuschätzen versuchen, indem man die Patienten direkt darauf anspricht, wie intensiv und wie häufig sie an Selbstmord denken. Es wurde lange Zeit die Meinung vertreten, man solle mit Depressiven nicht über dieses Thema sprechen, weil man sie dadurch erst auf die Idee bringen könnte, an Selbstmord zu denken. Dies ist grundfalsch, weil jeder Depressive zumindest an die Möglichkeit denkt und in der Regel Erleichterung verspürt, wenn er darüber reden kann.
 
Wann ist Selbstmordgefahr gegeben?
Weitere Hinweise, um die Gefahr abschätzen zu können, erhält man, indem man die Betroffenen fragt, ob sie generell an die Möglichkeit eines Selbstmordes denken oder ob sie auch konkrete Vorstellungen haben, wie sie es tun würden. Je konkreter die Vorstellungen sind, desto grösser ist das Risiko. Dieses Risiko ist noch grösser, wenn die Betroffenen schon Vorbereitungen getroffen haben, also beispielsweise bei verschiedenen Ärzten sich Rezepte für Schlafmittel verschreiben liessen oder sich eine Schusswaffe beschafften.

Professor Erwin Ringel hat drei wichtige Anzeichen beschrieben, die auf eine besondere Neigung zum Selbstmord bzw. zum Suizid, wie der Fachausdruck heisst, hinweisen:

1. Die Einengung
Die betreffenden Patienten fühlen sich in einer eingeengten Situation, aus der sie schwer heraus können. Sie beschäftigen sich auch gedanklich immer wieder mit dieser Problematik und erfahren auch zwischenmenschlich eine Einengung, indem sie sich zunehmend isolieren und vereinsamen.

2. Die Aggressionsumkehr
Sie besteht darin, dass Menschen, die unter Aggressionen leiden und diese aus verschiedenen Gründen nicht ausleben oder diskutieren können, diese gehemmten Aggressionen dann gegen die eigene Person richten.

3. Die Todesphantasien
Suizidgefährdete Menschen beschäftigen sich in ihren Gedanken mit den verschiedenen Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen oder stellen sich auch vor, wie die Angehörigen trauern würden, wenn sie einmal tot sind. Sie können sich auch über das eigene Begräbnis Vorstellungen machen. Bestehen derartige Todesphantasien, ist es wichtig danach zu fragen, ob diese Phantasien bewusst herbeigeführt werden oder ob sie sich ungewollt aufdrängen. Je mehr sich diese Ideen aufdrängen, um so grösser ist das Risiko.
 
Rasche Hilfe bei Krisen
Da Selbstmordgedanken und Selbstmordabsichten sehr häufig sind, kann man selbstverständlich nicht alle diese Patienten im Spital behandeln. Aber es ist äusserst wichtig, dass sie sehr rasch einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden, denn man kann nicht nur die depressive Stimmung, sondern auch speziell diese Suizidgedanken und -absichten behandeln. Es ist daher sehr wichtig, Depressive dazu zu bewegen, einen Arzt aufzusuchen oder aber zumindest anonym die Telefonseelsorge oder ein Kriseninterventionszentrum oder einen Psychosozialen Dienst anzurufen.
 
Suizidal gefährdete Menschen
(nach S.Kasper, H.-J. Möller, F. Müller-Spahn, Depression, 2002, Thieme Verlag)

Im Umgang mit den suizidal gefährdeten Depressiven ist es wichtig, eine wohlwollende, verständnisvolle, unterstützende Grundhaltung zu praktizieren. Dazu gehört, dass man u.a. die Suizidalität des Patienten als Faktum hinnimmt und nicht durch direkten oder indirekten Druck in Frage stellt. Man versucht dem Patienten zu vermitteln, dass es in seiner aktuellen Lebenssituation, z.B. angesichts der Schwere der Depression, verständlich ist, dass er Lebensunlust und Suizidgedanken verspürt und dass dieses auch viele andere Patienten in gleicher Situation durchmachen.

Zum Gespräch gehört auch, die Bindung zum Leben und die Hoffnung auf eine zu erwartende Besserung anzusprechen und zu betonen. In dem Zusammenhang ist auch die Einbeziehung von positiv erlebten Bezugspersonen, insbesondere von Lebenspartnern, wichtig.

Ganz bedeutend ist in dieser Phase eine engmaschige ärztliche Betreuung des Patienten. Das Angebot, dass der Arzt auch telefonisch jederzeit erreichbar ist, wird auch von einsamen Patienten meistens in kritischen Situationen häufig genutzt. Bei schwerer Suizidalität ist eine Behandlung auf ambulanter Basis nicht möglich, sondern der Patient muss stationär in einer Klinik behandelt werden.               
 
Was kann man als Betroffene/r tun?
Ernährung und körperliche Betätigung
Fachleute haben festgestellt, dass ein kurzer Spaziergang -wenn möglich an der Sonne- die Stimmung heben kann. Jede auch noch so kurze körperliche Betätigung dürfte die Freisetzung von sogenannten Endorphinen stimulieren. Diese natürlichen, im Gehirn vorliegenden Substanzen tragen zu einer guten Stimmung bei. Auch ein kurzer Aufenthalt an der frischen Luft - ohne Telefon und ohne Gedanken an irgendwelche Probleme - kann helfen, selbst wenn es nur wenige Minuten sind. Menschen, die regelmässig Sport betreiben oder sich körperlich betätigen, sprechen unter Umständen auf Antidepressiva besser und rascher an, als jene, die dies nicht tun. Ein kurzer Spaziergang zumindest dreimal pro Woche könnte die Genesung beschleunigen. Körperliche Betätigung, gesunde und ausgewogene Ernährung, Vermeidung von Stress und genaue Einhaltung der verordneten Therapie sind wichtige Faktoren für eine rasche Genesung.

Bisher konnte noch keine spezifische Diät gegen Depression entwickelt werden. Eine ausgewogene Ernährung mit Kohlehydraten (Hülsenfrüchte, Getreide), Obst und Gemüse und fettarmen Speisen mit mässigem Proteingehalt werden jedoch generell als gesundheitsförderlich empfohlen und könnten auch für eine ausgewogene Stimmung nützlich sein. Für Multivitamin-Präparate, makrobiotische Ernährung und homöopathische oder chiropraktische Begleittherapien konnte bisher in kontrollierten klinischen Studien kein eindeutiger Nutzen nachgewiesen werden.

Bei vielen Menschen, die sich gerade von einer Depressionen erholen, ist es nützlich, ein konstantes Körpergewicht beizubehalten. Diäten können zwar bei manchen Menschen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl verbessern, es gibt jedoch auch Hinweise dafür, dass sie zu negativen Veränderungen der Stimmungslage beitragen können. Sollten Sie beschliessen, eine Diät zu machen, dann sollten Sie vorher unbedingt mit Ihrem Arzt sprechen. Er wird Ihnen eine Diät empfehlen können, die genau auf Ihre Bedürfnisse abgestimmt ist.
 
Selbsthilfegruppen
In der Schweiz gibt es ca. 50 regionale Selbsthilfegruppen. Weitere Informationen und Kontaktadressen können bei der Fachseite www.depression.ch bezogen werden.
 
Hinweise für Angehörige
1. Depressive Patienten sind kranke Menschen, die weder arbeitsscheu noch hysterisch noch hypochondrisch sind.

2. Da es sich bei Depressionen um eine Krankheit handelt, die behandelbar und heilbar ist, ist es wichtig, dass Depressive möglichst rasch ärztlich behandelt werden.

3. Da depressive Patienten grösste Schwierigkeiten haben, Entscheidungen zu treffen, soll man sie während der Erkrankung zu keinen Entscheidungen zwingen. Sie würden diese nach Abklingen der Depression wieder bereuen.

4. Es hat keinen Sinn, Depressive, vor allem schwer Depressive, während der Erkrankung in einen Kur- oder Erholungsaufenthalt zu schicken, weil sie dort nur noch mehr vereinsamen, indem sie Zeit haben, über ihr scheinbares Unglück zu grübeln. Dies erhöht die Selbstmordgefährdung. Dies gilt nicht für Patienten nach überstandener Erkrankung (siehe Punkt 8 ).

5. Depressive können nicht wollen, und es ist daher sinnlos, an ihren Willen zu appellieren. Durch derartige Appelle kann der Zustand sogar verschlechtert werden, da die Patienten sich dann erst bewusst werden, dass sie nicht wollen können, worunter sie besonders leiden. Es hat auch keinen Sinn, diese Menschen aufzufordern, sich doch zusammenzureissen oder sie zu besonderen Aktivitäten zu bewegen. Sie erleben dies nur als Qual.

6. Es ist für die Patienten wichtig, dass die Angehörigen sie darin bestärken, die Medikamente regelmässig zu nehmen, und dies eventuell auch diskret überwachen. Dem Patienten von der Medikamenteneinnahme abzuraten kann lebensgefährlich sein. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig anzumerken, dass Antidepressiva nicht zu Medikamentenabhängigkeit führen.

7. Über die Selbstmordgefährdung soll mit Depressiven offen gesprochen werden, da man sich nur dadurch ein Bild über das wirkliche Risiko machen kann. Man muss allerdings bedenken, dass schwer Selbstmordgefährdete ihre Absicht zu verschleiern oder zu verheimlichen versuchen, da sie befürchten, sonst an der Durchführung behindert zu werden. Schwer selbstmordgefährdete Patienten müssen deshalb in einem Krankenhaus behandelt werden.

8. Es ist wichtig, das Befinden von Depressiven zu akzeptieren, so wie sie es schildern. Wenn man depressive Patienten davon überzeugen möchte, dass es ihnen besser geht als sie sich fühlen, verliert man nur ihr Vertrauen. Depressionen sind schwere Erkrankungen und es ist daher nach Abklingen der Depression sehr wohl berechtigt, die Patienten in Kur- oder Erholungsurlaube zu schicken. Aber wie gesagt nicht während, sondern nach der Depression.
 
Verwandte psychische Erkrankungen
Eine Depression wird oft von anderen psychischen Erkrankungen begleitet oder aber ist selbst eine Begleiterscheinung einer anderen psychischen Krankheit. Am häufigsten mit Depressionen assoziiert sind Angststörungen. Die verbreitetsten Angststörungen sind:

Panikstörungen
Die Panikstörung ist eine psychische Erkrankung und gehört zu den Angststörungen. Sie ist gekennzeichnet durch Panikattacken, d.h. plötzlich auftretende Angstanfälle. Dabei treten meist mehrere der folgenden Begleiterscheinungen auf:
  • Herzklopfen, Herzrasen oder unregelmässiger Herzschlag
  • Schwindel, Benommenheit, Schwächegefühl
  • Kurzatmigkeit oder Atemnot
  • Schwitzen
  • Schmerzen oder Beklemmungsgefühle im Brustkorb
  • Zittern
  • Hitzewallungen oder Kälteschauer
  • Erstickungs- oder Würgegefühle
  • Kribbeln oder Taubheit in gewissen Körperteilen
  • Todesangst
  • Übelkeit oder Magen-Darm-Beschwerden
  • Gefühle der Unwirklichkeit oder des Losgelöstseins
  • Angst, verrückt zu werden
  • Angst, die Kontrolle zu verlieren
Diese Symptome sind an sich ungefährlich. Jedoch sind sie für die Betroffenen so schlimm, dass die Angst vor einer neuerlichen Panikattacke (die Angst vor der Angst) sie dazu bringt, auslösende Situationen zu vermeiden. Dies kann zur Vermeidung von engen oder geschlossenen Räumen, von Menschenansammlungen, von grossen Plätzen oder Brücken führen. Von Panikstörung spricht man, wenn wiederholt Panikattacken ohne erkennbare Auslöser auftreten. Wird eine Panikstörung nicht behandelt (durch Verhaltenstherapie und/oder Antidepressiva), kann dies zu totaler sozialer Abkapselung und Unselbstständigkeit führen.
Quelle: DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders - Fourth Edition)
 
Zwangserkrankungen
Jemand, der an einer Zwangserkrankung leidet, muss immer wieder die gleichen Gedanken denken oder die gleichen Handlungen ausführen. Ähnlich wie bei einem Tic (z.B. Augenzwinkern) lassen sich diese zwanghaften Gedanken oder Handlungen willentlich nicht abstellen, obwohl die betroffenen Personen die Unsinnigkeit ihres Tuns meist einsehen. Da die Zwänge zudem sehr zeitraubend sind (mehr als eine Stunde täglich) und das Alltagsleben stark beeinträchtigen, ist dieser Zustand äusserst quälend.

Es handelt sich dabei um eine psychische Störung, die mit Medikamenten und/oder Verhaltenstherapie behandelt werden kann. Etwa 1 - 3 % aller Menschen erkranken einmal im Leben an einer Zwangsstörung.
 
Vielfältige Risikofaktoren für eine Altersdepression
Eine Depression wird von vielen Faktoren mitverursacht. Folgende Faktoren beeinflussen vor allem eine Depression im Alter:
  • der normale Alterungsprozess (anderer Hirnstoffwechsel begünstigt Depression)
  • Erkrankungen wie Demenz, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder Krebs (Depression als Begleiterkrankung)
  • Nährstoffmangel (bei Depressiven wurde eine zu geringe Konzentration an Vitamin B12 und an Folsäure festgestellt)
  • bestimmte Medikamente können das Risiko einer Depression erhöhen
  • einschneidende, belastende Erlebnisse (Gesundheitsprobleme, finanzielle Probleme, Todesfälle/ schwere Erkrankungen von Angehörigen, etc.) 
Anzeichen einer Altersdepression
Im Prinzip ist die Altersdepression durch die gleichen Anzeichen wie eine Depression bei jüngeren Menschen gekennzeichnet. Oft getrauen sich ältere Menschen jedoch nicht, eine verschlechterte Stimmungslage zuzugeben oder gar als Krankheitssymptom zu bezeichnen. Depressive ältere Menschen sprechen eher über ihre Ängste, die aufgrund einer schweren Depression fast paranoide (verfolgungswahnähnliche) Züge annehmen können. Angst und Panik können von Herzklopfen, Zittern und Schwindel begleitet sein. Ausserdem klagen ältere Depressive überdurchschnittlich häufig über körperliche Beschwerden. Am häufigsten werden genannt:
  • Kraftlosigkeit/schnelle Ermüdung
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen
  • Schmerzen
  • Schwindel
  • Atemnot, Kurzatmigkeit 
Depressive Störungen werden bei älteren Menschen oft nicht erkannt und nicht oder unzureichend behandelt
Ältere Menschen suchen eher nach körperlichen Ursachen für ihre Probleme und sprechen auch nicht gern über psychische Probleme. Auch von der Umwelt werden die Anzeichen einer Depression meist nicht als Krankheit erkannt, sondern dem normalen Alterungsprozess zugeschrieben. Da die Anzeichen einer Altersdepression unter Umständen durch andere Krankheitsbilder verschleiert werden, fällt es oft auch Fachpersonal schwer, eine Depression zu erkennen. Wird die Depression doch als solche erkannt, werden Antidepressiva oft in zu geringer Menge oder zuwenig lange eingenommen.
 
Antidepressive Medikamente und Psychotherapie helfen meistens
Wie auch bei jüngeren depressiven Patienten kommt eine Psychotherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung in Frage. Wichtig ist auch eine sinnvolle Beschäftigung. Eingesetzt werden heute mit gutem Erfolg vor allem moderne Antidepressiva, die kaum Nebenwirkungen haben. Da bei älteren Menschen oft Faktoren eine Depression begünstigen, die bis ans Lebensende dauern werden (z.B. Krebserkrankung), empfiehlt es sich, dass diese Antidepressiva auch über lange Zeit hinweg eingesetzt werden. Diese Medikamente helfen überdies auch meistens gegen Angststörungen, welche die Depression begleiten können.

Depression und Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen
 
Psychische Störungen im Jugendalter - ein unterschätztes Problem
Viele Jugendliche leiden unter Angststörungen und Depressionen, die so einschränkend sind, dass sie behandelt werden müssten. Tatsächlich in Behandlung sind jedoch nur die wenigsten. Auch die Eltern unterschätzen meist den Schweregrad der psychischen Störung bei ihrem Kind.
 
Anzeichen und Verlauf
Leider hat sich gezeigt, dass Depressionen im Kindes- und Jugendalter meist keine vorübergehenden Störungen sind, aus denen die Kinder "herauswachsen". Obwohl die meisten nach entsprechender Behandlung schneller gesunden als erwachsene Patienten, erleiden viele von ihnen später einen Rückfall bis hin zu einer immer wiederkehrenden psychischen Störung mit einem erhöhten Selbstmordrisiko. Der Hauptteil aller Selbsttötungen im Kinder- und Jugendalter (übrigens die zweithäufigste Todesursache in diesem Alter nach Unfällen) steht in Zusammenhang mit einer Depression.

Mädchen erkranken weit häufiger an einer Depression als Jungen. Eine depressive Episode dauert etwa bis zu einem Jahr, selten jedoch auch länger. Leider kommt es sehr oft innerhalb von 2 Jahren zu einem Rückfall. Auch wenn es nicht wieder zu einer depressiven Episode kommt, haben viele davon betroffenen Jugendliche Schwierigkeiten in der Schule oder im Umgang mit Gleichaltrigen. Nicht selten leiden sie noch als Erwachsene unter geringem Selbstwertgefühl, Zurückgezogenheit und Pessimismus.
 
Hilfe durch Eltern, Schule und Freunde
Da noch viel zu wenig bekannt ist, welche konkreten Ursachen eine Depression hat, die bereits im Kindes- oder Jugendalter auftritt, gibt es kaum Empfehlungen zur Vorbeugung. Umso wichtiger ist es, die Alarmzeichen zu erkennen und richtig zu interpretieren, damit die Kinder / Jugendlichen einerseits Verständnis und andererseits eine angemessene Behandlung erfahren können.

Mögliche Hinweise auf eine Depression:
  • anhaltende Traurigkeit, manchmal auch Reizbarkeit
  • anhaltende Interesselosigkeit/Freudlosigkeit
  • Schlaflosigkeit oder zuviel Schlaf
  • vermehrter oder verringerter Appetit
  • anhaltende Müdigkeit
  • Schuldgefühle, Gefühl von Wertlosigkeit
  • Schwierigkeiten, konstruktiv mit Problemen umzugehen, stattdessen Rückzug, Drogenmissbrauch, Selbstmordgedanken
  • Depressionen in der Familie
  • Konzentrations- und Entscheidungsschwächen
  • Äusserungen über Selbstmordabsichten
     Quelle: DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders - Fourth Edition)
Häufig kommen Kinder und Jugendliche aus einem Teufelskreis von Ängsten und sich-nicht-verstanden-fühlen ohne fremde Hilfe nicht mehr heraus. Wenn sich Kinder und Jugendliche schon trauen, über Ängste oder Gefühle der Wertlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit zu sprechen, ist dies von Lehrern, Eltern und Kollegen unbedingt ernst zu nehmen. Sollten diese dazu nicht in der Lage sein, sollten den Kindern und Jugendlichen wenigstens Adressen, Internetseiten und Telefonnummern bekannt sein, an die sie sich wenden können.
  • der Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienst;
  • in Gemeinden Familienberatungsstellen;
  • der schulpsychologische Dienst;
  • Suchtberatungsstellen;
  • dargebotene Hand,Tel. 143;
  • Sorgentelefon für Kinder Tel. 0800 55 42 10;
  • Nottelefon für bedrängte Kinder, Waffenweg 15, 3014 Bern, Tel. 031 333 02 13
  • Sorgentelefon Schlupfhuus Zürich, Schönbühlstr. 8, 8032 Zürich
    Tel. 24h: 043 268 22 66
Behandlung
Wenn Angststörungen oder Depression als solche diagnostiziert wurden, stellt sich die Frage nach der besten Behandlung. Prinzipiell stehen drei Möglichkeiten zur Auswahl:
  • Psychotherapie; je nach Alter durch Therapeuten, die auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert sind; Ihr Arzt / Ihre Ärztin kann Ihnen Ansprechpartner nennen;
  • Behandlung mit pflanzlichen Mitteln, wird im allgemeinen nur bei leichter Depression verwendet;
  • Behandlung mit modernen Antidepressiva; ähnlich wie bei Erwachsenen, allerdings in anderer Dosierung.
Meist geht man pragmatisch vor: wenn eine Psychotherapie von Kind und Eltern akzeptiert wird und die Symptome sich bessern, bleibt man dabei; ist dies nicht der Fall oder besteht die Gefahr einer Selbsttötung, wird ein geeignetes Medikament verschrieben.
 
 
Wochenbett-Depression - Postnatale Depression
 
Babyblues - postnatale Depression - postnatale Psychose
Nach der Geburt (also im Wochenbett, postnatal oder auch postpartal genannt) kommt es bei vielen Frauen zu negativen Stimmungsveränderungen. Diese können unterschiedlich schwer sein. Man unterscheidet (jedoch bei fliessendem Übergang) zwischen
  • Heultagen (Babyblues), meist am 2. oder 3. Tag nach der Geburt: kurzfristiges Stimmungstief ausgelöst durch die drastische hormonelle Veränderung sowie die völlig veränderte Lebenssituation; betrifft fast die Hälfte aller Mütter; ist nicht behandlungsbedürftig und vergeht nach einigen Tagen wieder.
  • postnatale Depression: tritt bei rund 10-15% der Frauen auf und beginnt meist in der 1. oder 2. Woche. (Buch Keck)
    Tritt im 1. Jahr nach der Geburt bei etwa 20 % aller Mütter auf; die Kennzeichen ähneln denen einer "normalen" Depression; da sich die Symptome schleichend verstärken und anfangs meist der normalen Belastung zugeschrieben werden, wird oft nicht erkannt, dass es sich um eine (vorübergehende) psychische Erkrankung handelt, die behandelt werden kann; Frauen empfinden z.B. Traurigkeit, Müdigkeit, Leeregefühl, Schuldgefühle, Desinteresse, sexuelle Unlust, Konzentrationsstörungen, Schlafschwierigkeiten, Kopf- und andere Schmerzen, Reizbarkeit, Ängste, Panikattacken, zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber, bis zu Gedanken über Selbsttötung.
  • postnatale Psychose: in den ersten zwei Wochen nach der Geburt erleiden etwa 2 von 1000 Frauen eine schwere psychische Krise, in deren Verlauf sie den Kontakt zur Realität verlieren; eine solche Psychose kann sich z.B. äussern durch Wahnvorstellungen, stark übertriebene Aktivität, extreme Ängste, Teilnahmslosigkeit; muss unbedingt behandelt werden.
Welche Behandlung ist möglich?
Eine postnatale Psychose ist eine schwere Krankheit, die behandelt werden muss. Doch auch bei einer postnatalen Depression kann eine Behandlung mit Antidepressiva und mit Psychotherapie angebracht sein. Ziel der Behandlung ist, dass es der Mutter so gut geht, dass sie wieder mit der neuen Lebenssituation zurecht kommt. Es ist niemandem geholfen, wenn sie einfach still vor sich hinleidet. Eine Psychotherapie kann helfen, sich auf die neue Situation einzustellen, Fragen des eigenen Anspruchs zu klären und sich besser abzugrenzen. Antidepressiva unterstützen das körpereigene Botenstoffsystem im Hirn dabei, wieder ins Lot zu kommen. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, ob stillende Mütter Antidepressiva einnehmen sollen. Einzelne Untersuchungen zeigten bei bestimmten neueren Antidepressiva (SSRI), dass bei gestillten Babys keine schädigenden Konzentrationen des Medikaments nachweisbar waren. Hierbei spielt auch die Einnahmezeit eine Rolle. Aus Sicherheitsgründen und weil keine grösseren Studien bestehen, steht in den Beipackzetteln im Allgemeinen, dass die Medikamente nicht während des Stillens eingenommen werden sollen.
 
vgl. depression.ch und leanonme.net
 
 


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