soziales-wissen - Dyskalkulie: Rechenstörung im Jugendalter
   
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Definition:

Eine Rechenstörung ist gekennzeichnet durch eine Minderleistung in den Bereichen Basiskompetenzen, Grundrechenarten und/oder Textaufgaben. Die Defizite zeigen sich in der Fehlerhaftigkeit der bearbeiteten Aufgaben sowie in der benötigten Zeit zur Bearbeitung.

In der Regel sind diese Minderleistungen oft mit Schwierigkeiten im Arbeitsgedächtnis (v.a. visuell-räumliche Informationen), sowie Schwierigkeiten (benötigter Zeit) bei den Exekutiven Funktionen (v.a. der Inhibition = schnelles Unterdrücken ablenkender Reize) begleitet.

 

Die Risikoidentifikation und Diagnostik einer Rechenstörung erfolgt anhand folgender Kriterien

1. psychometrische Kriterien (Erfassung Mathematikleistung, visuell-räumliches Arbeitsgedächtnis und Inhibitition)

2. klinische Kriterien (klinische Untersuchung/Differentialdiagnostik, inkl. körperliche/neurologische, sensorische und intellektuelle Funktionen sowie psychopathologischer Befund)

3. qualitative Kriterien (biografischer Entwicklungsverlauf, Familien- und Schulsituation, psychische und soziale Entwicklung u.ä.)

 

Die psychometrischen Diagnose-Kriterien erfordern eine Mathematikleistung im unterdurchschnittlichen Bereich. Die Diskrepanz muss mind. 1.5 Standardabweichung (d.h. PR<7/T-Wert kleiner als 35) betragen (sofern die qualitiativen und klinischen Kriterien den Verdacht nicht unterstützen). Wenn der Verdacht allerdings auch durch die qualitiativen und klinischen Kriterien bestätigt wird, beträgt die Diskrepanz mind. 1 Standardabweichung (d.h. PR<16/T-Wert kleiner als 40). Damit wird berücksichtigt, dass Personen durch Kompensationsmassnahmen (z.B. überdurchschnittliche Intelligenz, Anstrengung, Unterstützung) ihr Leistungsniveau höher halten können, bis dies durch steigende schulische Anforderungen nicht mehr möglich ist. Darum wird die Verwendung des Intelligenzdiskrepanzkriteriums NICHT empfohlen.

 

Allgemein:

Die Rechenstörung ist mit einer Prävalenz von ca. 2 – 8% eine häufige Entwicklungsstörung mit hoher Persistenz, die oft noch mit weiteren psychischen Auffälligkeiten einhergeht.

Probleme in Mathematik können auch durch eine unangemessene Beschulung (z.B. Unterrichtsqualität, andere Unterrichtssprache als Muttersprache), lange Schulabstinenz (z.B. durch Krankheit), nicht ausreichende Möglichkeiten zum Lernen (z.B. kein ruhiger Ort in der Schule oder zu Hause, familiäre Konflikte) oder anderen Störungen verursacht sein. In der Diagnostik ist zu berücksichtigen, inwiefern diese Faktoren ausschlaggebend für die Probleme in Mathematik sind oder ob eine Rechenstörung zugrunde liegt. Kriterien, die für das Vorliegen einer Rechenstörung sprechen, sind zum Beispiel eine Häufigkeit dieser Lernstörung in der Familie und insbesondere Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Zahlen- und Mengenverständnis im Vorschulalter und bei der späteren Entwicklung der Rechenkompetenz im Schulalter.

 

 

Behandlung der Rechenstörung

Die Behandlung einer Rechenstörung soll an den in der Diagnostik erkannten Problemschwerpunkten im mathematischen Bereich ansetzen. Fördermassnahmen sollen bei Rechenstörungen im Einzelsetting durchgeführt werden. Die Sitzungsdauer der Fördermassnahme bei Rechenstörungen soll mind. 45 Minuten betragen.

 

 

Komorbiditäten der Rechenstörung

Die Rechenstörung tritt häufig nicht alleine auf. 33 - 40% aller Menschen mit Rechenstörung weisen zusätzlich eine LRS auf. Gleichzeitig ist das Risiko für eine LRS bei vorliegender Rechenstörung um 5 – 12fach erhöht. Ebenfalls sind Symptome aus dem ADHS-Spektrum (Wahrscheinlichkeit 8-22%) sowie Symptome aus dem internalisierenden (v.a. Mathematik-, Prüfungs- bzw. Schulangst) und externalisierenden Störungssprektrum zu berücksichtigen (Wahrscheinlichkeit 2 – 29%).

 

Auch für andere Bereiche (z.B. Sprachentwicklungsstörung) zeigen sich durchaus hohe Zahlen, jedoch sind aufgrund der kleinen Vergleichszahlen keine verallgemeinernden Aussagen möglich.

 

Da komorbide Störungen den Verlauf einer Rechenstörung wie auch den Erfolg einer Förderung beeinträchtigen, muss bei der Diagnostik das Vorhandensein von Komorbiditäten überprüft werden.

 

 

Anwendung bei Jugendlichen

Bei Jugendlichen (oder Erwachsenen) kann die Förderung eine besondere Herausforderung darstellen. Über einen längeren Zeitraum kann sich ein falsches Verständnis der grundlegenden Zahlen- und Mengenverarbeitung sowie der Grundrechenarten ausbilden. Ebenso können ein deutlich negatives Selbstkonzept der mathematischen Kompetenz sowie manifeste komorbide Symptome und Störungen (z.B. Mathematikangst, Vermeidungsverhalten) vorliegen.  Der diagnostische Prozess sowie die Förderinhalte und das –setting unterschieden sich jedoch nicht grundlegend von dem bei Kindern. 

Die Behandlung soll an den erkannten Problembereichen in der Mathematik ansetzen. Insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen können zudem komorbide Symptome und Störungen im Zusammenhang mit jahrelangen Misserfolgen in Mathematik den Fördererfolg beeinflussen. Auch kann der Fortschritt der Förderung dadurch beeinträchtigt sein, dass zuerst lange verwendete, jedoch falsche Lernmuster aufgebrochen werden müssen.

Zu beachten ist, dass die Förderung an den grundlegenden Problemen ansetzt. Hat z.B. eine Person Schwierigkeiten in den Basiskompetenzen, so ist zuerst ein korrektes Zahlen- und Mengenverständnis zu erarbeiten. Erst dann können eine Förderung in den Grundrechenarten und der Aufbau des Faktenwissens erfolgen, wenngleich diese Kompetenzen für die betroffene person womöglich die höhere Alltagsrelevanz besitzen.



 

(Zusammenfassung: Leitlinie Rechenstörung: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e. V. (DGKJP) )


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